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In Tagen wie diesen besinnt sich frau, was das vergangene Jahr an Früchten und Schimmelpilzen so allerhand feil bot.

In den Gesprächen mit den besten und engsten Freunden (und zu diesen tiefsinnigen und gesprächslastigen Momenten kam es in letzter Zeit aufgrund der Feiertage häufig) wurde klar: schlimmer geht immer… Eigentlich gibt es für die Monate im 2015 nur einen Ausdruck: Sie waren schlicht massiv! Eskalation pur auf jeder Ebene!

 

Nachdem ich nun endlich meinem frechen Auto, die ihm längst zustehende Sonderbehandlung gönnte (Behängung mit Vanille-Duftbäumchen, Getränkehalter auffüllen mit wohlriechendem Potpourri, aussaugen mit Staubsauger „deluxe“ und abspritzen mit der mir nicht schon immer so wohlgesinnten Wasserlanze „hardcore“) fuhr ich mit The Bee Gee´s im Radio zurück in die Stadt. Alle Erlebnisse, die mir in letzter Zeit zu Ohren kamen, tanzten wie verrückt durch mein Oberstübchen.

 

Da gab es G. aus B., welche mit ihrem Prinzen nach etlichen Dates mit Racletteabend bei Kerzenschein, Rotweintrinkerein in der Badewanne, Klamottenkaufereien, afterpartydurchzechten Nächten und viel Netgeflixereien feststellen musste, dass der werte Einhornreiter gleich mehrfach jagend durch die Wälder flitzte. So in dieser Konstellation für eine junge Frau aus dem 21. Jahrhundert nichts aussergewöhnliches (jaaa ja liebe Mamis, Gottis, Tantis und schockiert blickenden älteren Damen) und somit locker zu überwinden. Wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass der vermeintliche Traumprinz am letzten Date, der G. aus B. noch seine selbstgekochte Bolognaisesauce zum Abschmecken darreichte. G. brachte leidenschaftlich ihr gesamtes Know-How mit ein (Zucker!) um sich dann Stunden später beim Kaffee, nach vielen Küssen und häufigem Kniegetätschel anhören zu müssen: „Oh ich muss los! In einer halben Stunde kommt mein Date vorbei und ich hoffe, dass ihr meine Sauce schmeckt. Du weisst ja, Sharing is caring! Tschüss!“… Adieu!!!

 

Oder S. aus L., welche sich in den heissen Sommertagen unsterblich in einen Wirt verliebte. Sie schwärmte unglaublich stark für ihn und sah sich schon mit dem Wirtenpatent unter dem Arm, mit vielen süssen Babys im gemeinsamen Gault Millau preisgekrönten Hotel stehen. Wie haben wir doch hinter ihrem Rücken unsere Köpfe geschüttelt und gehofft, dass sie sich von dieser Schnapsidee bald wieder verabschieden möge. Doch S. aus L. blieb hartnäckig (die Hitze ist nachträglich an allem Übel schuld) und blinzelte dem Herrn verliebt entgegen. Wer nichts wird, wird Wirt – oder halt eben einfach ein Unhold der Gefühle mit Füssen oder in unserem Fall mit Kochlöffeln tritt (haut?). Nach der Affäre, die nach Aussagen von S. sehr leidenschaftlich und hingebungsvoll verlaufen sei, meldete sich der Wirt nie wieder. NIE WIEDER. Auf keine SMS, auf keinen ihrer versuchten Anrufe, keine Reaktion auch auf das Rücksenden seiner Ray Ban Sonnenbrille. Tränen, Tränen, Tränen (auch ohne Zwiebeln zu schneiden), begleitet von gebrochenem Herzen an einer Sauce  von schlechter Laune und „das Leben hat keinen Sinn mehr“ – Garnitur. Vorbei… Zwei Monate später dann die Nachspeise in Form einer SMS. „Liebe S. aus L. Es ist nicht so, dass ich dich dumm fände oder dergleichen. Ich habe mich einfach in eine andere Frau verliebt. Alles Gute!“

Ja… Bon App!

 

Oder da gab es M. aus Z. Diese lernte IHN an einem Konzert kennen. Bereits eine Stunde später wollte dieser um ihre Hand anhalten und sie war bekannt mit seinen dreissig anwesenden Kumpels. Geduldig wie er war, gab es bereits nach zwei Stunden den ersten Kuss, zu dem die Kollegen freudig applaudierten. Sie habe sich wie im Himmel gefühlt, erzählte damals eine verklärt dreinblickende M. aus Z. und strich sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht.

Das nächste Treffen fand bereits am nächsten Wochenende statt und sollte, wie der erste Abend, wieder feucht-fröhlich enden (zumindest für den einen Teil der Beiden).

Nach dem Begrüssungskuss die Frage aller Fragen: „Kannst du mir bitte 100.- Stutz leihen und eine Flasche Vodka kaufen gehen?“. M. aus Z. war irritiert. Handelte es sich hier nicht um ein Date? Doch liebestrunken wie sie war, marschierte die Dame zum nächsten Geldomat und Drinks oft the World Shop, um das Gewünschte ihrem Angebeteten zu reichen. Nun, vielleicht würde er ja nun mit dem Vodka coole Drinks aus fancy Plastikbechern aus seinem Rucksack zaubern. Frau kann nie wissen! Das Date hätte spätestens hier noch eine angenehme Wendung nehmen können, doch statt den Abend mit M. aus Z. zu geniessen, schleppte er sie vor einen Club und eröffnete ihr freudestrahlend beim Türe aufhalten (romantisch!), dass sie nun beide als Überraschung an die Geburtstagsparty einer seiner dreissig Freunde gehen würden. Alle Gedanken an nette Gespräche und traute Zweisamkeit verabschiedeten sich schleunigst und M. aus Z. trottete ihm lustlos hinterher. Zwei Stunden später kannte sie jeden aber wirklich auch JEDEN der anwesenden Gäste, von ihrem Date oder gar ihrem bezahlten Vodka fehlte jedoch plötzlich jede Spur. Zum Glück wurde M. von ihrer Freundin O. abgeholt, welche ihr die Nase putzen half und sie in ihr Bett brachte.

 

Ich bin mir nicht ganz sicher ob die folgende Geschichte noch zumutbar ist, es juckt mich jedoch in den Fingerspitzen, die nachfolgende Begebenheit für alle Nachkommen schriftlich festzuhalten.

 

Nach dem Einhornjäger, dem Wirt und dem Vodka-Geld-Schnorrer, gab es da noch jenen mit dem „kleinen“ Problem.

N. aus S. war da auf einer Party gelandet und wollte eigentlich nur noch nach Hause, Trainer, Chips und gutes Buch. Aber wie es halt so ist, laufen einem genau an diesen Abenden dann doch noch interessante Menschen über den Weg. Obwohl N. aus S. keinerlei Interesse am männlichen Geschlecht kund tat – und genau dies spürt diese Spezies, dessen bin ich mir ganz sicher, wurde sie andauernd angesprochen. Leicht genervt, da sie jeweils ihr intensives Gespräch mit ihrer Freundin unterbrechen musste, liess sie sich dann doch auf einen „Öppis mit öppis“-Drink von einem Fremden einladen. Der Drink schmeckte lecker und der Unbekannte hatte Humor, schöne Lippen und roch ausserordentlich gut („Sich gut riechen können“ – Nummer 1 Punkt auf der Must-Have-List der N. aus S.)

Man verabschiedete sich Stunden später volltrunken und aufgeregt Nummern tauschend.

Am anderen Tag bemerkte N. dank dem Anzeigebild von Whats App, dass der Gutriechende wohl bereits in einer Beziehung steckte. Sie machte nicht lang Fäderläsis und fragte ihn direkt danach. Ja, dem sei so, die unverblümte Antwort. Nun gut, der Schaden war ja noch bescheiden. Ausser den drei obligaten Abschiedsküssen war nichts geschehen. N. aus S. löschte seine Nummer und wandte sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zu (Affenbabys retten, dritte Säule starten, Ölwechsel an ihrem Wagen vornehmen).

Zwei Wochen später meldete sich der Mister wieder bei N. Er brauche dringend jemanden zum Reden. Dringender als dringend. Nur sie können ihn wohl verstehen. N. war kurz misstrauisch, aber ihr grosses Herz konnte den armen Tropf nicht einfach hängen lassen. So traf man sich auf Kaffee bei ihr in der Küche. Nach langem Smalltalk (Bigtalk wäre hier wohl der bessere Ausdruck), kam der Gute dann langsam zur Sache.

Seit zwei Jahren in einer Beziehung, immer glücklich, alles gut. Doch nun die Krux an der Geschichte. Er hatte seit drei ewig erscheinenden Monaten keinen Höhepunkt mehr. Mit ihr. Unmöglich. Rien ne va plus!

Öhm, nun gut. Was er ihr damit denn sagen wolle, fragte N. aus S. mit hochgezogener Braue nach (und dies kann sie ausserordentlich gut!). Nun er habe sich gedacht, da ihm N. seit der Party nicht mehr aus dem Kopf gehe und er jeden Tag nur noch an sie denke, dass sie ihm bei seinem kleinen Problem behilflich sein könnte.

Die Augenbraue von N. rutschte nochmals gefühlte fünf Zentimeter höher. Sie verstehe nicht ganz? Ob er denn schon mit ihr darüber geredet habe? Oder ob er sich wünsche, dass N. mit ihr darüber spreche? Die Verwirrung von N. war gross. Sie kam schlicht nicht dahinter.

Nein, nein, reden könne er natürlich selber, tat er missbilligend ihr Angebot ab. Aber ihn beschleiche langsam die Angst, dass er nie wieder kommen könne…

N. lächelte etwas abschätzig und meinte geringfügig, dass er sich darüber wohl nicht allzu grosse Gedanken machen müsse. Mr. Gutriecher beugte sich über den Tisch und stütze sich leicht mit den Unterarmen auf der Tischplatte ab. Sie verstehe wohl nicht, meinte er mit Nachdruck, er wolle sie fragen, ob sie nicht bei ihm feststellen könne, ob bei ihm noch alles „intakt“ sei. Er würde es gerne einmal mit N. probieren…

Hätte N. ihre Mimik nicht stets perfekt im Griff gehabt, hätte es durchaus sein können, dass sie ihm ihre Augenbrauen in sein Gesicht geschleudert hätte. Sie entschied sich jedoch für den bereits kalten Kaffee, untermalt mit den Worten, dass es sich hier um ihr zu Hause und nicht um ein Bordell handle und er unbedingt Land gewinnen solle, bevor sie seine Freundin über seine unverschämte Forderung in Kenntnis setzen würde.

 

Gerne würde ich an dieser Stelle schreiben, dass jegliche oben erwähnten Anekdoten frei erfunden sind, doch dem ist leider nicht so.

Denn sie (die Typen) wissen nicht, was sie tun.

Sie machen einfach irgendwas.

Eifachd öppis.

Eifach so.

Zum Glück sind diese Tatsachen nicht alle der gleichen Lady widerfahren. Das Leben achtet ja schon darauf, dass sich solche Miseren gut auf die Frauenwelt verteilen. Ansonsten müsste man diese wohl nun in der Abteilung für Verrückte/ Herzgeschädigte in einer Klinik besuchen gehen.

Aber dieses Jahr mit seinen zwölf neuen unbefleckten Monaten wird anders.

Versprochen! 🙂

 

Mylena Fortune

 

 

 

§25 · Januar 4, 2016 · Allgemein · (No comments) ·


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